Hypnose 10
Der Arm der Wahrheit

Die folgende Anwendung kann ohne Tranceeinleitung gemacht werden und wirkt daher umso nachdrücklicher. Es wird eine Armkatalepsie (Unbeweglichkeit des ausgestreckten Armes) eingerichtet, die einen paradoxen Angstgedanken symbolisiert. Die Umkehrung der Katalepsie steht als Symbol für die Befreiung von eingefahrenen Gedanken. Natürlich kann das Ganze auch nach einer ausführlichen Tranceeinleitung gemacht werden, doch empfehle ich, gerade darauf zu verzichten, weil die funktionierende Katalepsie (vorbereitete) Hypnose mehr Eindruck hinterlässt. Geübte Hypnotiseure wissen: Katalepsie funktioniert auch ohne Hypnose, doch wenn es funktioniert, ist es Hypnose!

Den folgenden Text können sie wahrscheinlich nicht so einfach vorlesen, wie alle anderen. Ich möchte sie trotzdem ermuntern, diese Variante einmal auszuprobieren. Es kommt nicht auf Formulierungen an, sondern auf die Vorgehensweise. Sie müssen also nicht jedes Wort auswendig lernen.

Ich möchte dir einmal zeigen, dass deine Angst zum großen Teil ein eingefahrener Glaubenssatz ist. Ein Glaubenssatz, den du loslassen kannst, um damit dann deine Angst loszulassen. Meistens ist es so, dass Ängste eine zeitlang einen Sinn haben. Auch du hast die Angst einmal gebraucht. Als Warnsignal, als Zeichen, dass tiefe Gefühle in dir gesehen werden sollen. Jetzt ist es an der Zeit, diese Angst loszulassen. Du brauchst sie nicht mehr. Du beschäftigst dich ja mit dir selbst, versuchst dich immer weiter zu klären und vieles zu verändern. Die Angst hat ausgedient. Du aber glaubst, dass sie nicht so einfach weggehen kann. Ich behaupte nun, dass sie vor allem geblieben ist, weil du dir nicht richtig vorstellen kannst, dass sie verschwinden kann. Wahrscheinlich kannst du dir auch nicht vorstellen, dass du deinen Arm nicht mehr bewegen könntest, weil du dir plötzlich einbildest, dass es nicht mehr geht. Das glaubst du wahrscheinlich nicht. Also gut. Ich möchte dir etwas zeigen, was dir dein eigenes Denken demonstrieren kann. Das Denken tief in dir drin. Das unbewusste Denken. Doch auch das kannst du beeinflussen. Ich helfe dir dabei.

Katalepsie

Streck jetzt einmal deinen rechten Arm gerade aus (Achten sie darauf, dass der Arm durchgestreckt wird und waagerecht nach vorne gehalten wird, bei Linkshändern bitte den linken nehmen). Jetzt such dir einen Punkt auf deiner Hand und richte deinen Blick darauf, zum Beispiel einen Knöchel. Bleib auf diesem Punkt. Nun stell dir einmal vor, dass dieser Arm immer länger wird. Er streckt sich immer länger. Schau auf deinen Knöchel. Der Arm wird zwei Meter lang, drei Meter lang. Immer länger. Stell es dir vor. Dein Arm wird fünf Meter lang, zehn Meter lang. Immer länger. Er wird sogar hundert Meter lang. Dabei wird er immer fester und stabiler. Je länger er wird, umso fester wird dein Arm. Dein Arm wird zweihundert Meter lang. Einen Kilometer. Schau auf den Knöchel. Dein Arm streckt sich, wird immer länger, zehn Kilometer lang ist dein Arm. Er bohrt sich durch die Stadt. Und jetzt stell dir einmal vor, dass dein Arm immer fester wird, je länger er wird und lass ihn noch länger werden. Stell dir vor, dass jeder Versuch, deinen Arm zu bewegen, dazu führt, dass er noch einen Kilometer länger wird. Und fester. Sobald du versuchen würdest, deinen Oberarm nach unten zu drücken, wird dein Arm noch länger und fester. Du versuchst jetzt einmal, deinen Oberarm nach unten zu drücken und dein Arm streckt sich. Noch einmal. Versuch, deinen Oberarm nach unten zu drücken und dein Arm streckt sich. Versuch es noch einmal und dein Arm wird noch länger und fester. Versuch es noch einmal. Dein Arm bleibt fest.

Diese einfache Übung können sie auch als Suggestibilitätstest machen. Sie funktioniert sehr gut und ist wirklich ohne vorherige Tranceeinleitung in kurzer Zeit machbar, es dauert nicht länger als ein oder zwei Minuten, bis der Arm auf die Aufforderung, nach unten gedrückt zu werden, gerade und fest bleibt. Einfache aber wirksame Suggestion!

Es geht nicht mehr. Du kannst nicht beides gleichzeitig machen. Bewegen und fester werden geht nicht. Dein Glaube, dass dein Arm immer länger und fester wird, hält ihn waagerecht. Wenn ich dir nun sage, dass das nicht stimmt, dass du nur zwei unvereinbare Dinge miteinander verbunden hast, kannst du dir einfach einmal vorstellen, dass dein Arm beim nächsten Versuch, ihn zu bewegen sofort ganz kurz und beweglich wird. Dein Arm ist beweglich. Du musst es nur wissen. Dein Arm ist vollkommen beweglich. Bewege deinen Arm.

Besprechen Sie nun diese Übung mit ihrem Klienten. Erklären sie ihm, dass es sich mit seiner Angst ähnlich verhält. Er glaubt, dass sie da ist und dass sie so viel Macht hat. Dass er sie nicht beeinflussen kann. Wiederholen sie die Übung und lassen sie den Klienten selbst sprechen. Er soll den ausgestreckten Arm halten und immer wieder sagen: „Mein Arm wird länger und fester“. Prüfen sie für ihn die Katalepsie, die sich auch dabei einstellen wird durch leichten Druck auf den Arm. Lassen sie ihn selbst einige Male sagen: „Wenn ich meinen Arm bewegen will, wird er noch fester“. Er soll es dann versuchen. Wahrscheinlich führt es zunächst wieder zur Katalepsie, die er dann selbst auflösen soll, indem er sagt: „Ich kann und werde jetzt meinen Arm bewegen, denn er ist beweglich“. Üben sie etwas mit dem Klienten, bis es ihm selbst gelingt, eine Katalepsie bei sich einzurichten und aufzulösen.

Liebe Leserinnen und Leser. Probieren sie diese Übung unbedingt einmal aus. Sie macht Spaß und bringt meistens einen „Aha-Effekt“. Sie zeigt, dass Glaube sehr schnell sehr deutlich wirken kann, in die eine und dann eben auch in die andere Richtung. Probieren sie die Übung doch einmal bei sich selbst aus. Sie werden überrascht sein, wie toll sie auch bei ihnen in der Selbstsuggestion wirkt. Und wie schnell sie die Wirkung auch aufheben können. Natürlich können sie die Wirkung auch von vorneherein unterbinden. Probieren sie es aus...